Ärzte / Psychotherapeuten

 

 

Alexander, Meta

(1924-1999)

 

Haberlandstr. 12 und 10*, Bayerischer Platz 4

 

St. Franziskus Oberlyzeum (heute: Katholische Schule St. Franziskus)

FU Berlin (Gründungsgeneration)

 

Ärztin

 

Katholisch getauft und erzogen. Lebte mit ihren Eltern zeitweise im gleichen Haus* wie Hans Globke (1938 Mitverfasser Nürnberger Rassengesetze, 1953-1963 Staatssekretär unter Adenauer). Ihr jüdischer Vater und sie überlebten versteckt mit Hilfe der christlichen Großeltern. Nach der Ausbildung zur Ärztin Chefärztin und Professorin am Klinikum Westend, bildete sie viele Ärztinnen und Ärzte aus.

Fromm, Erich

(1900 - 1980)

 

Bayerischer Platz 1 (Praxis), Salzburger Str. (Wohnung)

 

Sozialpsychologe, Psychotherapeut, Wissenschaftler

 

Aufgewachsen in einer streng gläubigen Familie. Studium der Soziologie in Heidelberg. Ende der 1920er Jahre Ausbildung zum Psychoanalytiker am Berliner Psychoanalytischen Institut. Ab 1930 Leiter der Abteilung Sozialpsychologie am Frankfurter Institut für Sozialforschung. Nach der Brandmarkung der Psychoanalyse als „jüdische Wissenschaft“ ging Fromm 1933 in die Emigration, erst in die Schweiz, 1934 dann in die USA, wo er u. a. an der Columbia University in New York tätig war. 1950 zog er nach Mexiko und 1973 in die Schweiz. Veröffentliche zahlreiche, teils sehr populäre Bücher, u. a. „Die Kunst des Liebens“ (1956).

Jacobsohn, Moritz

(1880 – 1961)

 

Bismarckstr. 33 (heute: Belßstr. 1), Tempelhof

 

Arzt

 

Moritz Jacobsohn war Reichsbahnarzt, Werksarzt bei Daimler-Benz, praktizierte aber auch als Hausarzt.

„Der liebe Gott von Marienfelde“ wurde von simulierten Kranken zu Hausbesuchen gelockt und mit Kot beworfen. Heimlich gingen selbst Nazis zu ihm. Ging ins Exil über Großbritannien und Kuba in die USA, wo Quäker ihm eine Professur ermöglichten. Mit 60 Jahren erlangte er in New York die Möglichkeit zu praktizieren durch ein weiteres Examen zurück.

 

Gedenkstein (1990): Marienfelder Allee, Ecke Belßstraße in Tempelhof

Straßenbenennung (1991): Dr.-Jacobsohn-Promenade in Tempelhof

 

Mühsam, Familie

Motzstr. 5, Kurfürstenstr. 115*

 

 

Dr. Wilhelm Mühsam (1874- 1939) war ein berühmter Augenarzt, sein Sohn Heinrich (1900- 1944) war Journalist, er wurde in Auschwitz ermordet, die Mutter Paula (1876-1943) wurde in Theresienstadt ebenfalls ermordet. Gerettet wurden Louise (geb. 1903), die 1938 ins Exil nach Australien ging und Rudolf (1906-1994), der 1937 in die USA emigrierte.

 

Gedenktafel: Vor dem Haus Kurfürstenstr. 115 (an der Bushaltestelle), erinnert an das Vereinshaus des jüdischen Brüdervereins (ab 1939 vom „Judenreferat der Gestapo“ unter Leitung von Adolf Eichmann genutzt)

Szonyi, Lilly (geb. Wolffers)

(geb. 1924)

 

Kufsteiner Str. 19

 

Psychotherapeutin

 

Die fünfköpfige Familie Wolffers hatte Schweizer Pässe, die Mutter war deutscher Herkunft. Die Familie zog 1927 von St. Gallen nach Berlin, 1936 nach Schöneberg. Sie konnte Verwandten, die sie wirtschaftlich unterstützt hatten, auch längere Zeit Schutz in ihrer sicheren Wohnung bieten. Ausreise nach Zürich vor Kriegsbeginn. Lilly und Ehemann gingen später über Kanada in die USA.

Wolff, Bruno

(1874 - 1941)

 

Motzstr. 14 (heute Nr. 22)

 

Arzt

 

Bruno Wolff war Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe und Stabsarzt im Ersten Weltkrieg. Von 1911 bis 1936 Mitinhaber einer gynäkologischen Klinik. Seine Haupthebamme Nanna Corti gründet 1933 die „Reichsfachschaft deutscher Hebammen“. Ab 1938 darf er nicht mehr allgemein praktizieren. 1939 gelingt die Emigration nach Belgien. Dort stirbt er 1941 eines natürlichen Todes.