ermordet / Hinrichtung

 

Berkowitz, Liane

(1923 –1943)

 

Viktoria-Luise-Platz 1

 

„Private Vorbereitungsanstalt

Dr. Heil“

 

Wird in der Schule Teil eines Freundeskreises, der sich gegen die nationalsozialistische Herrschaft engagiert, 1942 Verteilung von Flugblättern in der Uhlandstraße und am Kurfürstendamm. August/September 1942 Verhaftung als Mitglied der von der Gestapo als „Rote Kapelle“ bezeichneten Widerstandsgruppe (rund 200 Personen). Bringt 1943 im Frauengefängnis Barnimstraße ihre Tochter Irene zur Welt. Briefwechsel mit der Mutter, die später das Kind an sich nimmt. 5.8.1943 Hinrichtung in der Strafanstalt Plötzensee.

 

Cohn, Marianne

(1922 - 1944)

 

Wulfila Ufer 52

 

Kinderfürsorgerin

 

Leistet Hilfe zur Flucht für jüdische Kinder. Zionistin. Familiäre Bande zu Walter Benjamin. 1934 Emigration nach Spanien, 1936 nach Frankreich, 1937-1938 Übersiedlung in die Schweiz. 1938 Rückkehr nach Frankreich, Widerstandskämpferin (französische Résistance). 1940-1942 mehrmals Inhaftierung des Vaters, 1942 geht die Familie unter falschem Namen in den Untergrund. 1944 Verhaftung von Marianne Cohn durch die Gestapo, am 8. Juli 1944 Hinrichtung in Ville-la-Grande.

Nach 1945 vielfach in Frankreich, Israel und Deutschland geehrt (Auswahl):

- 7.11.1945: Militärregierung Lyon verleiht ihr posthum das Kriegskreuz mit silbernem Stern

- 1956 Ville-la-Grande: Straßenbenennung nach Marianne Cohn und Einweihung eines Denkmals für sie und andere am selben Tag hingerichtete Widerstandskämpfer

-1982 eröffnet  François Mitterrand zu Ehren von Marianne Cohn einen Garten in der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem

 

- 1984 Eröffnung der Marianne-Cohn-Schule in Berlin-Tempelhof

- Stolperstein (2007): Wulfila Ufer 52, Tempelhof

 

Freudenfels, Familie

Hilbertstr.1

Handel

Henriette Freudenfels, geb. Silbermann (1883-Jan.1938), Richard Freudenfels (1879-1941), Textilwarenhandel in Marienfelde u. Lichtenrade. Soldat im Ersten  Weltkrieg, bekam “Eisernes Kreuz” verliehen, Mitglied der Herder-Loge.

Tochter Charlotte (geb. 1910), Emigration 1933 nach Palästina, 1954 in die USA. Sohn Herbert (1913-1976), Emigration 1934 nach Palästina, 1954 in die USA.

Heirat Richard Freudenfels mit Dorothea Silbermann (1882-1941), Schwester v. Henriette, im Okt.1938; vergebliche Bemühungen, die Einreisebedingungen versch. Exilländer zu erfüllen. 27.11.1941 Deportation nach Riga, wo sie am 30.11.41 ermordet wurden.

 

Stolperstein: Hilbertstr.1-2, Berlin-Lichtenrade

Grunwald, Familie

Schulenburgring 2*

 

Askanisches Gymnasium

 

Fritz Grunwald emigriert 1939 in die USA. Bruder Carl lebt versteckt beim Hausmeister bis zu seiner Deportation 1943 nach Theresienstadt, dort trifft  er auf seine Eltern. Die

Eltern Arthur und Rosa Grunwald werden1943 nach Auschwitz deportiert und ermordet. Carl  stirbt nach verschiedenen anderen Lagern am 23.3.1945 im KZ Buchenwald.

 

Stolpersteine (2004): Schulenburgring 2 für die Eltern Arthur und Rosa Grunwald und Carl Grunwald

 

*In diesem Haus wurde am 2.Mai 1945 der Waffenstillstand für Berlin beschlossen.

Haberland, Familie

Haberlandstr. 7 (heute: Nr. 3, zwischenzeitlich: Nördlinger Str. 3)

 

Stadtplaner, Architekt

 

Salomon Haberland (1836-1914), Teilinhaber der Berlinischen Bodengesellschaft (BBG), Planer und Erbauer des Bayerischen Viertels, des Viktoria-Luise-Platzes u. a., später zusammen mit seinem Sohn Georg (1857-1933). Dieser baute als Architekt u. a. auch den U-Bahnhof Rüdesheimer Platz, die Kaufhäuser Tietz, Hermann Tietz, Karstadt und das Verlagshaus Ullstein. In der NS-Zeit wurde der Straßenname Haberland aus dem Stadtbild gelöscht und die Enkel wurden verfolgt: Dr. Kurt H. (1896- 1942) im KZ Mauthausen ermordet; Dr. Werner H. (1899-1970)  als Homosexueller denunziert und untergetaucht, stiftete nach dem Krieg eine Jugendherberge zur deutsch- israelischen Jugendbegegnung in Überlingen/Bodensee; Enkelin Dr. Edith (1902-1994) und Ehemann Otto Friedrich Hermanns (bis 1933 Staatsanwalt am Schöneberger Kammergericht, gest. 1971) konnten mit den Kindern und Urenkeln Salomon Haberlands, Renate und Ralph, nach Schweden emigrieren.

 

Die von den NS-Behörden in Nördlinger Straße umbenannte Haberlandstraße wurde erst 1996 wieder zurück benannt. Bei der Zeremonie waren auf Einladung des Bezirks die Urenkel Ralph Herrmanns und Renate Gynnerstedt (geb. Herrmanns) aus Schweden anwesend. Ebenso die Fotografin Gisèle Freund, die in der Haberlandstr. 7 im selben Haus wie die Enkel Kurt und Werner Haberland gewohnt hatte.

 

Seit Sept. 2014 ist das Café über dem U-Bahnhof Bayerischer Platz, zugleich „Zeithistorisches Portal“, nach der Gründerfamilie Haberland benannt.

 

Hermann, Georg (vormals: Georg Borchardt)

(1871 - 1943/44)

Bülowstr. 18

 

Askanisches Gymnasium

Friedrich-Werdersches-Gymnasium

 

Schriftsteller, Autor

 

1896 erster autobiographischer Roman „Spielkinder“, verlegt von Friedrich Fontane. 1896-1899 Studium an der Friedrich-Wilhelms-Universität, arbeitet als Kunstkritiker für den Ullsteinverlag; nimmt den Künstlername „Hermann“ zu Ehren seines Vaters Hermann Borchardt an. 1909 Mitbegründer des Schriftsteller-Schutzverbundes, hier auch Vorstandsmitglied. Zahlreiche sehr erfolgreiche Romane, u. a. „Jettchen Geberts Geschichte“, „Der Kleine Gast“ und „Rosenemil“. 1933 Flucht ins Exil in die Niederlande, 1939 Einbürgerung in die Niederlande, Antrag auf Staatsbürgerschaft in Paraguay, die 1942 bewilligt wird. Am 16.11.1943 Deportation nach Auschwitz, wo er ermordet wird.

 

Gedenktafel: Kreuznacher Str. 28

Parkbenennung: Georg-Hermann-Garten mit Gedenkstein in Friedenau (Goßlerstr. 24-25)

Kautsky, Luise & Karl

(1854 - 1938) (1864 - 1944)

 

Niedstr. 14, Saarstr. 14

 

Politikerehepaar, Theoretiker, Philosophen

 

In Österreich, der Schweiz, Deutschland und erneut Österreich politisch aktiv in der Sozialdemokratie, persönlicher Kontakt zu Marx, Engels, Bebel, Liebknecht und Rosa Luxemburg. 1897 zieht das Ehepaar nach Berlin. Karl Kautsky gilt bis zum Ersten Weltkrieg als wichtiger Theoretiker.1938 geht das Ehepaar wegen politischer und rassistisch Verfolgung von Österreich in die Niederlande ins Exil, wo Karl Kautsky stirbt. Luise Kautsky, Sozialistin und ehemals Berliner Stadtverordnete für die USPD, wird als Jüdin 1944 über Theresienstadt nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Sohn Benedikt Kautsky überlebt das KZ Buchenwald, die beiden anderen Söhne können in die USA emigrieren.

 

Stolperstein (2009) für Luise Kautsky, Windscheidtstr. 31

Gedenktafel für Karl Kautsky, Saarstr.14, Bundesgeschäftsstelle der Falken

Kolmar, Gertrud (vormals: Chodziesner)

 

(1894 - 1943)

 

Speyerer Str. 10 (heute Münchener Str.)

 

Schriftstellerin, Lyrikerin

 

Veröffentlichte seit Anfang der 1920er Jahre Gedichte unter dem Künstlernamen Kolmar. Umfangreicher Briefwechsel mit der Schwester in der Schweiz. Wohnte zuletzt mit ihrem Vater Ludwig Chodziesner in einer sogenannten „Judenwohnung“. Zu Zwangsarbeit verpflichtet, wurde sie im Rahmen der sogenannten „Fabrikaktion“ am 27.2.1943 am Arbeitsplatz verhaftet und wenige Tage später nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Viele ihrer Werke wurden erst nach dem Zweiten Weltkrieg veröffentlicht.

Sie gilt heute als eine der bedeutendsten deutschsprachigen Lyrikerinnen. 

 

Stolperstein: Münchener Str. 18 a

Mühsam, Familie

Motzstr. 5, Kurfürstenstr. 115*

 

 

Dr. Wilhelm Mühsam (1874- 1939) war ein berühmter Augenarzt, sein Sohn Heinrich (1900- 1944) war Journalist, er wurde in Auschwitz ermordet, die Mutter Paula (1876-1943) wurde in Theresienstadt ebenfalls ermordet. Gerettet wurden Louise (geb. 1903), die 1938 ins Exil nach Australien ging und Rudolf (1906-1994), der 1937 in die USA emigrierte.

 

Gedenktafel: Vor dem Haus Kurfürstenstr. 115 (an der Bushaltestelle), erinnert an das Vereinshaus des jüdischen Brüdervereins (ab 1939 vom „Judenreferat der Gestapo“ unter Leitung von Adolf Eichmann genutzt)

Schiller, Adolf

 

(1861-1943)

 

Luitpoldstr. 4, Am Volkspark 2(Villa), Landsberger Str. 14, Berlin-Friedrichshain 

Glasfabrikant, Techniker

 

Hielt als Glasfabrikant auch Patente, war Stadtverordneter, Baurat und Regierungsbaumeister.  1939 Umzu in eine sogenannte "Judenwohnung", Verlust seines gesamten Vermögens. 1943 Deportation nach Theresienstadt, wo er ermordet wurde.

 

Zickel, Luise

(1878 - 1942)

 

Kufsteiner Str. 6, später Nr. 16 (Schule und Wohnung), Bayerischer Platz 2 (Wohnung)

 

Lehrerin, später Schulleiterin

 

Ab 1911 ist sie Schulleiterin der jüdischen „Zickel“-Schule in der Kufsteiner Straße in Schöneberg. Die Schule mit wechselnden Namensvarianten ist zunächst nur für Mädchen, später auch für Jungen und hat zeitweise zusätzliche Räume in der Schmargendorfer Straße in Friedenau.1937 besuchen über 200 Schüler die Zickel-Schule, 16 Lehrerinnen und Lehrer unterrichten dort gleichzeitig, darunter einige bekannte Künstler und Literaten. 1939 Zwangsschließung der Schule, danach gibt sie Privatunterricht. Luise Zickel lehnt die Emigration aus Deutschland auch wegen ihrer Schüler ab. 1942 wird sie nach Riga deportiert und dort ermordet.

 

Stolperstein (2005):

Kufsteiner Str. 16