2005

 

 

Wir waren Nachbarn – 92 Biografien jüdischer Zeitzeugen

Themenschwerpunkt: Einladung von Zeitzeuginnen aus Israel und Russland

 

Gedenkveranstaltung und Ausstellungseröffnung anlässlich des 60. Jahrestages der Befreiung von Auschwitz


Veranstalter der Gedenkveranstaltung am 27. Januar 2005 im Foyer des Rathauses Schöneberg anlässlich des 60. Jahrestages der Befreiung von Auschwitz waren:

  • das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg
  • die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit e.V.
  • die Deutsch-Israelische Gesellschaft e.V.

Zu dieser Veranstaltung wurden mit Unterstützung der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ die drei Zeitzeuginnen Ester Golan, Rahel R. Mann und Lydia Passikova aus Israel und Russland eingeladen. Sie haben als Kinder und Jugendliche die NS-Zeit überlebt, während ihre Familien Opfer der NS-Gewaltherrschaft wurden.

Im Anschluss an die Gedenkstunde wurde die Ausstellungsinstallation "Wir waren Nachbarn" in der Ausstellungshalle des Rathauses durch die Kuratorin der Ausstellung Katharina Kaiser eröffnet, in der zusammen mit den ausführlichen Lebensgeschichten der drei eingeladenen Zeitzeuginnen 92 Biografien damaliger Schöneberger und Tempelhofer jüdischer Nachbarn dokumentiert sind. Ein Interviewfilm mit Zeitzeugen „Geteilte Erinnerungen“ (von Monika Wenczel und Katharina Kaiser) wurde für diesen Anlass produziert und war stündlich zu sehen.

Die Ausstellung "Wir waren Nachbarn" - die bisher erfolgreichste, welche das Kunstamt seit über 20 Jahren durchgeführt hat - wurde von großem Medienecho begleitet. Bei der Eröffnung waren mehr als 500 Gäste anwesend. Seither konnten jeden Tag mehr als 100 Besucherinnen und Besucher gezählt werden, die in der Regel weit mehr als eine Stunde die biografischen Alben studierten oder den Interviewfilm (45 Min.) ansahen. In der ersten Woche wurden keine Anmeldungen für Schulklassen entgegengenommen, da das kleine Team des Kunstamtes die drei Zeitzeuginnen in drei Schulen begleitete und filmte. Die Zeitzeuginnen haben dort jeden Tag vor mittelgroßen Gruppen aber auch in Aulen gesprochen, insgesamt wurden fast 900 Schüler erreicht.
343 Besucherinnen und Besucher kamen zu den ersten drei Rahmenveranstaltungen im Februar. Nachfragen für die Anmeldungen von Schulklassen für Februar und März erreichten die Veranstalter fast täglich.

Diese Ausstellung und die dort präsentierte, für Berlin einmalige Sammlung biografischer Zeugnisse, entstand in über 20-jähriger Arbeit und wurde von etwa 120 Zeitzeugen aus aller Welt unterstützt. In der Ausstellung wird auch der 6061 Schöneberger und 232 Tempelhofer Bürgerinnen und Bürger gedacht, die ihren letzten Wohnsitz vor der Deportation in diesem Bezirk hatten.

Am Ausgang der Ausstellung sind unter dem Titel „Wir sind Nachbarn“ in einer Hörinstallation die Stimmen von jungen jüdischen Berlinerinnen und Berlinern der zweiten und dritten Generation zu hören.

Rahmenprogramm

 

31. Januar 2005

Zeitzeuginnengespräch mit Ester Golan, Rahel Mann und Lydia Passikova

 

2. Februar 2005

Lesung:

Ester Golan, Zeitzeugin aus Israel, überlebte durch Kindertransport nach England

 

7. Februar 2005

Lesung:

Rahel R. Mann, Zeitzeugin aus Berlin und Israel, überlebte als Kind versteckt in Berlin

 

21. Februar 2005

Lesung:

Jizchak Schwersenz, Zeitzeuge aus Berlin, überlebte untergetaucht in Berlin

 

28. Februar 2005

Lesung:

Inge Deutschkron, Zeitzeugin, überlebte untergetaucht in Berlin

 

7. März 2005

Vortrag von Jael Geis, Historikerin:

„Übrig sein“ - Jüdisches Leben unmittelbar nach dem Krieg

 

14. März 2005

Podiumsdiskussion:

Geschichtsbilder und Toleranz – Der Beitrag der dezentralen und zentralen Erinnerungsorte zur Geschichtskultur

Teilnehmer:

Prof. Dr. Wolfgang Benz, Institut für Antisemitismusforschung

Eckhardt Barthel, MdB, Kulturpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion

Monika Grütters, MdA, Kulturpolitische Sprecherin der CDU-Abgeordnetenhausfraktion

Alice Stöver, MdA, Kulturpolitische Sprecherin der Abgeordnetenhausfraktion Bündnis 90/Die Grünen

Rainer Klemke, Referent für Gedenkstätten bei der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur

Katharina Kaiser, Kunstamt Tempelhof-Schöneberg, Projektleiterin der Ausstellung „Wir waren Nachbarn“

Moderation: Ulrich Schürmann, evangelischer Vorsitzender der Gesellschaft für Christlich-  Jüdische Zusammenarbeit e.V.

Die Ausstellung wurde vom 28. Januar bis 3. April 2005 gezeigt.

 

 

 

 

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