2006

 

 

Wir waren Nachbarn – 102 Biografien jüdischer Zeitzeugen

Themenschwerpunkt: Zeitzeugen unter uns

 

Aus Anlass des Gedenkens an die Befreiung von Auschwitz am 27. Januar 2006 (in diesem Jahr erstmals von der UNO zum internationalen Holocaust-Gedenktag erklärt), war die Intervallausstellung „Wir waren Nachbarn“ wie 2005 wieder im Rathaus Schöneberg zu sehen und wurde am 25. Januar 2006 mit einer Gedenkveranstaltung im Foyer des Rathauses Schöneberg eröffnet. Die Zeitzeugin Wera Zeller berichtete aus ihrem Leben. Unter dem Titel „Erinnerungssplitter“ gab es eine Lesung von Ausschnitten aus dem Archiv der Erinnerungen. Für die musikalische Umrahmung sorgte der Schülerchor der John-F.-Kennedy-Gesamtschule

Im Zentrum der Ausstellung stehen Biografien jüdischer Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, die vor ihrer Deportation und Vertreibung als Nachbarn in Schöneberg und Tempelhof gelebt haben. Die Ausstellungsinstallation mit der Atmosphäre einer alter Präsenzbibliotheken hatte als wesentliches Ausstellungselement biografische Alben, die – Familienfotoalben ähnlich – verdichtete Lebensgeschichten offenlegen. Ziel ist es, die häufig anzutreffende Reduktion auf den Holocaust zu vermeiden und das ganze Leben, das Davor – und wenn es Überlebende gibt – auch das Danach zu zeigen. Die Ausstellung wurde um weitere Biografien erweitert.

In einer Hörinstallation mit Toninterviews hier lebender jüdischer Berlinerinnen und Berlinern wird der Fokus auf die Nachgeborenen gelegt: Wie wurde in den Familien über Erlebtes gesprochen, an welche Orte, Ereignisse und Personen binden sich die Erinnerungen, wie wird die eigene Identität beschrieben: Wir sind Nachbarn.
Für nichtjüdische Zeitzeugen, die auch in dem Interviewfilm „Geteilte Erinnerungen“ repräsentiert sind, findet sich in dem neuen Ausstellungselement „Archiv der Erinnerungen“ ein weiteres Forum. Kleine Geschichten, Fotos oder Briefe gaben Einblicke in das Erlebte und Erinnerte. Die Besucher waren aufgefordert, dieses Archiv aus heutiger Perspektive zu erweitern.

 

Rahmenprogramm

 

21. Februar 2006

Literarisch-musikalische Veranstaltung:

Erinnerung für eine Zukunft

(Mer redden auch jiddisch – Mene, Mene, Tekel, Ufarsin)

Texte und Töne aus Liebe zum Leben

Sprecher: Manfred Eisner und Erich Schwarz, Gesang und Gitarre: Friedemann Holst-Solbach

 

7. März 2006
Lesung:
Inge Deutschkron, Zeitzeugin, heute wieder in Berlin, Zufluchtsort: Nachbarschaft

21. März 2006
Lesung:
Wera Zeller, Zeitzeugin, heute wieder in Berlin, Zufluchtsort: Südamerika

28. März 2006
Film:
Horst Eisfelder, Zeitzeuge, heute Australien, Zufluchtsort: Shanghai

4. April 2006

Lesung:

Prof. Dr. Werner Angress, Zeitzeuge, heute wieder in Berlin, Zufluchtsort: USA

 

23. April 2006
Finissage der Ausstellung „Wir waren Nachbarn“
Anlässlich der Schließung der Ausstellung lud der Förderverein „Frag doch!“ Verein für Begegnung und Erinnerung e.V., der Ende 2005 zur Unterstützung und Weiterentwicklung der Ausstellung gegründet wurde, zu einer Finissage ein.
Die Veranstaltung im Alt-Schöneberger-Saal war Else Lasker-Schüler gewidmet, die viele Jahre in Schöneberg gelebt hat, worüber ein biografisches Album in der Ausstellung Auskunft gibt. Die szenische Lesung „Mein Dornenlächeln“ griff auf 21 Gedichte der deutsch-jüdischen Liebeslyrikerin zurück. Die Sängerin und Schauspielerin Carola Krautz-Brasin wurde von der Pianistin Peggy Voigt begleitet, Reno Döring las die Kommentare.

13. November 2006
Horst Eisfelder erinnerte sich an seine Kindheit in Schöneberg bis 1938 und die Flucht nach Shanghai
Dass es jüdischen Kindern in Deutschland verboten wurde, öffentliche Schulen zu besuchen, musste der damals 12-jährige Schöneberger Horst Eisfelder nicht mehr erleben. Ihm und seiner Familie war Ende Oktober 1938 endlich die Flucht nach Shanghai gelungen. Aber ins Strandbad Wannsee durfte er schon seit Sommer 1933 nicht mehr und Demütigungen gegen jüdische Mitbürger auch durch Behörden waren an der Tagesordnung. Nun wurde Horst Eisfelder, der heute in Australien lebt, im Rathaus Schöneberg von Kulturstadtrat Dieter Hapel und dem Vorstandsvorsitzenden des Vereins Frag doch! Dr. Jochen Thron begrüßt.
Nach Auszügen aus dem Film “Horst Eisfelder – Flucht nach Shanghai” erzählte Eisfelder, wie er als Kind diese Zeit erlebt hat. Die Veranstaltung war eine Kooperation des Vereins “Frag doch! Verein für Begegnung und Erinnerung e.V.” und dem Haus am Kleistpark.

 Die Ausstellung war vom 26. Januar bis 23. April 2006 zu sehen.

 

 

 

 

 

 

 

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