2008

 

 

Wir waren Nachbarn – 120 Biografien jüdischer Zeitzeugen
Themenschwerpunkt: Exil-Erfahrungen

 

Am 27. Januar 2008, dem internationalen Holocaust-Gedenktag, wurde mit einer Gedenkveranstaltung im Rathaus Schöneberg zum vierten Mal die Intervallausstellung "Wir waren Nachbarn" eröffnet. Im Rahmen der Veranstaltung fand ein Zeitzeugengespräch mit Vera Ansbach und Hans-Gerhard Cheim statt. Vera Ansbach schaffte es als 19-Jährige nach England zu flüchten. Ihre Mutter und ihr Bruder wurden in Riga ermordet. Hans-Gerhard Cheim überlebte mit seiner Mutter in Berlin. Als 17-Jähriger musste er in den letzten Kriegsjahren in der Organisation Todt Zwangsarbeit leisten.

Mittlerweile werden 120 biografische Alben in der Ausstellung gezeigt. Sie gewährt damit am Beispiel von Tempelhof und Schöneberg einen exemplarischen Einblick in das Leben ehemaliger jüdischer Bürger in Berlin vor 1933. Gezeigt werden die Schritte der „Ausgrenzung und Entrechtung, Vertreibung, Deportation und Ermordung Berliner Juden“, wie das bekannte Denkmal von Stih/Schnock im Bayerischen Viertel heißt, das ebenfalls Teil dieser über 20-jährigen Erinnerungsarbeit im Bezirk ist.

Auch 2008 wurden elf neue Alben in die Ausstellung integriert. Sie erzählen diese Ereignisse aus der Perspektive der damaligen jüdischen Nachbarn. Darunter Prominente, wie Helmut Newton, Carl Zuckmayer und Maria Leo, aber auch unbekannte Familiengeschichten mit sehr persönlichen, bisher nicht veröffentlichten Dokumenten und Fotos aus Familienbesitz.

Inhaltlicher Schwerpunkt des Rahmenprogramms war das Thema Exil. Für viele Besucher der Ausstellung war es überraschend, wenn sie aus den biografischen Alben erfuhren, dass in vielen jüdischen Familien lange nicht über die Zeit vor und während der Emigration gesprochen wurde. In Selbstzeugnissen, die in der Ausstellung nachgelesen werden konnten, ist - wie auch in der Exilliteratur - häufig vom „Segen des Vergessens“ die Rede, d.h. das Vergessen der extremen eigenen Erfahrungen und der belastenden Tatsache, dass man selbst überlebt hat und nahe Familienmitglieder nicht.

Die Ausstellung wurde vom 28. Januar bis 27. April 2008 gezeigt.

 

Rahmenprogramm

 

12. Februar 2008

Gesprächskonzert mit Ursula Mamlok, moderiert von Eveline Foerster

Aus Anlass des 85. Geburtstags der Komponistin

Mit Tatjana Blome (Klavier), Marja Wiesmaier (Cello), Wolfgang Bender (Geige)

 

1. März 2008

Vortrag von Christine Rhode-Jüchtern:

Zur Biografie der Musikpädagogin Maria Leo

Im Rahmen einer Fachtagung für Musiklehrer der Leo-Kestenberg-Musikschule

 

27. März 2008

Zeitzeugengespräch mit Ralph B. Hirsch und Claus W. Hirsch

Ausschnitte aus dem Film „Exil in Shanghai“ von Dietmar Schulz

 

8. April 2008

Film und Lesung:

Margot Friedländer las aus ihrem Buch „Versuche, Dein Leben zu machen – Als Jüdin versteckt in Berlin“

Ausschnitte aus dem Film „Don’t call it Heimweh“ von Thomas Halaczinsky

 

27. April 2008

Lesung:

Ruth Reinecke las aus dem Buch „Ich bin ein unheilbarer Europäer“, moderiert von Heike Klapdor (Herausgeberin)

 

 

 

 

 

 

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