2012

 

Wir waren Nachbarn – 142 Biografien jüdischer Zeitzeugen

Themenschwerpunkt: Jüdische Ärztinnen und Ärzte

 

Anlässlich des Holocaust-Gedenktages am 27. Januar wurde die Ausstellung "Wir waren Nachbarn", die vom Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg seit 2010 ganzjährig im Rathaus Schöneberg gezeigt wird, auf insgesamt 142 Biografien jüdischer Zeitzeugen erweitert.
Die Gedenkveranstaltung fand am 22. Januar 2012 im Willy-Brandt-Saal statt. Nach der Begrüßung durch Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler hielt der Zeitzeuge Peter H. Paisley eine Ansprache. Nach einer Odyssee durch das von der deutschen Wehrmacht besetzte Europa, konnte er in England schließlich ein neues Leben beginnen. Vor einigen Jahren schrieb Peter H. Paisley für seine Familie in England seine Lebenserinnerungen auf. Die deutsche Übersetzung wurde nun zur Grundlage für sein biografisches Album. Für die musikalische Umrahmung sorgte der Pianist und Zeitzeuge Ilja Bergh, der zwei Klavierstücke von Liszt spielte. Die Projektleiterin Dr. Ruth Federspiel führte durch die Veranstaltung.

 

Im Jahr 2012 verantwortet erstmals der Förderverein frag doch! –Verein für Begegnung und Erinnerung e.V. die Gedenkveranstaltung und das Rahmenprogramm sowie die zukünftige Weiterentwicklung der Projekts in Kooperation mit dem Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg von Berlin, Abt. Bildung Kultur und Sport.

 

Rahmenprogramm

 

Zu dem thematischen Schwerpunkt des Jahres „Jüdische Ärztinnen und Ärzte“ gab es ein reichhaltiges Rahmenprogramm mit zahlreichen Veranstaltungen.

 

28. Februar 2012

Vortrag von Dr. Ruth Jakob:

Mit dem D-Zug in die Schweiz – vom Leben und Überleben einer Berliner Arztfamilie

 

27. März 2012

Vortrag und Gespräch mit Dr. med. Andreas Eisenblätter:

Auf den Spuren Kurt Goldsteins – von Berlin nach New York. Die erzwungene Emigration eines Arztes und ihre Folgen

 

24. April 2012

Vortrag von Dr. Rebecca Schwoch:

Vom jüdischen Deutschen zum „fremdrassigen Element“. Zur Verfolgung jüdischer Ärzte im Nationalsozialismus

 

22. Mai 2012

Vortrag von Dr. med. Susanne Doetz und Dr. phil. Christoph Kopke:

Die Entlassung der jüdischen Ärztinnen und Ärzte aus dem kommunalen Gesundheitswesen in Berlin-Schöneberg 1933

 

11. September 2012

Vortrag von Prof. Dr. med. Bernd Holdorff:

Vom Aufstieg bis zur Vertreibung und Vernichtung jüdischer Berliner Neurologen am Beispiel von Arthur Simons (1877-1942)

 

Ausstellung „Jüdische Ärzte in Schöneberg - Topographie einer Vertreibung“

Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler eröffnete gemeinsam mit dem Botschafter der USA, Philip D. Murphy, als Schirmherrn am 9. September 2012 die Ausstellung: „Jüdische Ärzte in Schöneberg - Topographie einer Vertreibung“ im Foyer des Rathauses Schöneberg. Die Ausstellung dokumentiert zwölf Lebensgeschichten von jüdischen Ärzten und erzählt von ihrem Wirken als Ärzte bis 1933 in Berlin und den dann einsetzenden Schritten von Entrechtung, Verfolgung, Emigration, Suizid oder Ermordung in der Zeit des Nationalsozialismus.
Neben dem Botschafter der USA begleiteten auch Redebeiträge der Staatssekretärin für Gesundheit und Soziales, Emine Demirbüken-Wegner, sowie dem Präsidenten der Berliner Ärztekammer, Dr. Günther Jonitz, die feierliche Eröffnungszeremonie.
Zur Eröffnungsveranstaltung waren ebenfalls Familienmitglieder eines in die Emigration gezwungenen Arztes als Gäste anwesend, die von der Kuratorin der Ausstellung Frau Dr. Jacob persönlich begrüßt wurden. Da viele der jüdischen Ärzte in die USA flüchten konnten, wird die Ausstellung nach einer Station in der Ärztekammer Berlin evtl. anschließend in die USA wandern.

Die Ausstellung war vom 10. September bis 7.Oktober zu sehen.

 

Zeitzeugengespräch zwischen Vater und Sohn

Mit Unterstützung der Senatskanzlei reiste der 83-jährige Peter Hecht aus Australien an, um im Rahmen der Ausstellung "Wir waren Nachbarn" zum ersten Mal in seinem Leben als Zeitzeuge öffentlich zu sprechen. Das Gespräch zwischen Peter Hecht und seinem Sohn David Hecht fand am 25. September 2012 im Louise-Schroeder-Saal des Rathauses Schöneberg statt, Moderation: Katharina Kaiser.

Nach den schrecklichen Ereignissen der Reichspogromnacht wanderte die Familie von Peter Hecht, der zu dieser Zeit zehn Jahre alt war, im Februar 1939 nach Australien aus. Zurück blieb sein damals 82-jährige Großvater Max Hecht. Er wollte die Strapazen und Veränderungen nicht mehr auf sich nehmen. Nach dem Krieg versuchte die Familie herauszubekommen, was aus dem Großvater geworden war. Bis in die Gegenwart stand die Angst im Raum, ob er vielleicht deportiert worden sei. Mitarbeiter des Projekts „Wir waren Nachbarn“ konnten der Familie nach intensiven Recherchen die Gewissheit geben, dass Max Hecht 1940 im jüdischen Altersheim in der Auguststraße gestorben ist und mit sehr großer Wahrscheinlichkeit neben seiner 1926 verstorbenen Ehefrau in Halberstadt begraben wurde.
Das biografische Album der Familie Hecht liegt nun in der Ausstellung im Rathaus Schöneberg aus.

 

 

 

 

 

 

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