2013

 

Wir waren Nachbarn – 145 Biografien jüdischer Zeitzeugen

Themenschwerpunkt: Jüdische Künstlerinnen und Künstler

innerhalb des berlinweiten Themenjahres "Zerstörte Vielfalt 1933-1938-1945"

 

Anlässlich des Jahrestages der Befreiung von Auschwitz und des internationalen Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus fand am 27. Januar 2013 im Willy-Brandt-Saal des Rathauses Schöneberg eine Gedenkveranstaltung statt. Dabei gab es ein Gespräch zwischen Zeitzeugen, die nach 1945 Künstler wurden und später wieder in Berlin lebten. Daran waren Ilja Bergh (Pianist und Komponist), Ursula Mamlok (Komponistin), Rahel R. Mann (Psychotherapeutin, Lyrikerin) und Hellmut Stern (Philharmoniker, Violinist) beteiligt. Der Pianist Pantcho Vladiguerov spielte drei Klavierstücke seines gleichnamigen Großvaters aus dessen Zeit als musikalischer Direktor bei Max Reinhardt am Deutschen Theater von 1920 bis 1932. Kai-Alexander Moslé, einer der drei Vorsitzenden des Fördervereins frag doch!, führte durch die Veranstaltung

Der Internationale Holocaustgedenktag, der Tag der Befreiung von Auschwitz, gehört in die Reihe von Ereignissen, an die in diesem Jahr gedacht werden soll:

30.01.1933 – 09.11.1938 – 27.01.1945


Im Rahmen des Gedenktages wurde zum diesjährigen Themenjahr „ZERSTÖRTE VIELFALT 1933-1938-1945“ ebenfalls das neue Ausstellungsprojekt „Fluchten – Jüdische Künstlerinnen und Künstler im ‚Neuen Westen’“ in der Ausstellungshalle des Rathauses Schöneberg eröffnet. Dieses Projekt ergänzt die Dauerausstellung „WIR WAREN NACHBARN - Biografien jüdischer Zeitzeugen“ durch 15 Hörstationen zu biografischen Alben.

Zu den 40 Künstlerinnen und Künstlern in der Ausstellung gehört die Dichterin Gertrud Kolmar, die in Auschwitz ermordet wurde. Andere, wie der Maler Ludwig Meidner, konnten ins Exil flüchten, nur wenige haben in Berlin versteckt überlebt, wie die Autorin Inge Deutschkron. Gemeinsam ist ihnen allen, dass sie vor der NS-Zeit im damaligen „Neuen Westen“ in Berlin gewohnt haben, der heute der „Alte Westen“ genannt wird. Sie kommen aus den Bereichen Musik, Bildende Kunst, Literatur, Film und Theater, unter ihnen Bekannte und Unbekannte.
Neu ist in diesem Jahr: Die besondere Authentizität der biografischen Alben, mit ihren vielen Fotos und Dokumenten, wird durch 15 Hörstationen verstärkt. So können die Besucher, während sie zum Beispiel im biografischen Album der Fotografin Gisèle Freund blättern, gleichzeitig ihre authentische Stimme hören. Sie erzählt von ihrer Flucht nach Paris. Von der Malerin Lotte Laserstein werden Briefe an ihre „Muse“ Traute Rose von einer Schauspielerin gelesen.

Wie im Vorjahr verantwortete der Förderverein frag doch! –Verein für Begegnung und Erinnerung e.V. die Gedenkveranstaltung und das Rahmenprogramm sowie die zukünftige Weiterentwicklung der Projekts in Kooperation mit dem Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg von Berlin, Abt. Bildung Kultur und Sport.

 

Rahmenprogramm

 

Am 18. Juni 2013 gab es ein Gesprächskonzert  mit dem Komponisten, Pianisten und Zeitzeugen Ilga Bergh, moderiert von der Autorin Esther Dischereit. Ilja Bergh spielte Eigenkompositionen auf dem Flügel und erzählte im Gespräch mit Esther Dischereit aus seinem bewegten Leben.

 

Im Rahmen der Langen Nacht der Museen am 31. August 2013 fanden mehrere Veranstaltungen statt. Am Nachmittag gab es ein Zeitzeugengespräch mit Rahel R. Mann, moderiert von der Autorin Tina Hüttl. Am Abend wurde dann zunächst der Film „Kurt Gerrons Karussell“ von Ilona Ziok vorgeführt. Bei dem anschließenden Gespräch war neben der Regisseurin auch der Zeitzeuge und Swing-Musiker Coco Schumann anwesend. In einer dritten Veranstaltung wurde der Film „Die Wohnung“ von Arnon Goldfinger gezeigt, als Gesprächspartner war Manuel Trökes eingeladen, ein Verwandter des Regisseurs und einer der Protagonisten des Films.

 

Bei der Veranstaltung „Leben im Widerspruch: Theo Pinkus (1909-1991)“ am 17. September 2013 wurden zwei Filme über Theo Pinkus gezeigt: „Kommunistische Jugend in Schöneberg – Erinnerungen von Theo Pinkus und Gerhard Birkholz“ von 1983 und „Theo Pinkus 1909-1991“ von 2009. Bei dem anschließenden Gespräch waren neben Gisela Wenzel beide Regisseure, Pim Richter und die Enkeltochter Ona Pinkus, anwesend.

 

Am 15. Oktober 2013 gab es ein Zeitzeugengespräch mit der Komponistin Ursula Mamlok, in dessen Rahmen die Voraufführung des Films „Ursula Mamlok Movements“ von Anne Berrini stattfand. Im Gespräch mit Bettina Brand berichtete Ursula Mamlok aus ihrem Leben, bei der anschließenden Diskussion war auch die Regisseurin anwesend.

 

Bei der letzten Veranstaltung am 19. November 2013, hielt die Kunsthistorikerin Dr. Anna-Carola Krausse einen Vortrag mit Bildmaterial über die Malerin Lotte Laserstein (1898-1993) und stand noch für eine angeregte Diskussion zu Verfügung.

 

 

 

 

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