Aktuelles Rahmenprogramm:

 

Flüchtige Kindheit

 

Dr. Gesine Bey

Kinderwege ins Exil (1933–1945)

Vortrag mit Film

15. Juni 2017  19:00 Uhr

Rathaus Schöneberg, Goldener Saal

 

„Aber es wäre ein Verbrechen gewesen, ein Kind weiterhin in dieser Atmosphäre aufwachsen zu lassen“, schrieb Martin Gumpert, jüdischer Arzt und Schriftsteller aus Berlin,  in seiner Autobiographie „Hölle im Paradies“ über den Entschluss im Jahr 1936, mit seiner achtjährigen Tochter Nina nach New York ins Exil zu gehen.

Jüdische Kinder waren von der Machtübernahme der Nationalsozialisten auf besondere Weise betroffen. Sie wurden aus regulären Schulen ausgeschlossen, flohen mit der Familie ins Exil oder wurden allein in ein rettendes Gastland geschickt. Kinder haben eine andere Perspektive auf die Emigration. Sie bedeutete zugleich einen Verlust und den Anfang eines neuen Lebens. Beim Abschied fühlten sie sich schuldig, Freunde zu verlassen und in den schmalen Koffer passte nicht alles, was man an Dingen lieb gewonnen hatte, hinein.

Wegen ihrer antifaschistischen Einstellung mussten viele Berliner Künstlerfamilien, die meisten auch jüdischer Herkunft, das Land bereits 1933 verlassen. Für ihre Söhne und Töchter wurde der Weg durch die Länder zur Kinder-Odyssee.

Judith Kerr, Jesaja Lewin, Walter Levin, Pierre Radvanyi, Ursula Mamlok erzählen in Büchern, Dokumenten und Filmen von ihren Erinnerungen. Auf die Kindheit und Jugend folgte oft nicht die Heimkehr, sondern die Verwurzelung in einem anderen Land. Der Vortrag beschäftigt sich mit der Flucht der Kinder und ihren weiteren Wegen. Man erfährt einzelne Geschichten und ebenso Gemeinsamkeiten mit Flüchtlingskindern aus der ganzen Welt.

 

 

Lesung und Gespräch

mit der Zeitzeugin

Rahel R. Mann (Jg. 1937)

 

Mo., 5. Juni 2017

17:30 Uhr in der Ausstellung

 

 

Foto 2014

 

 

Seit März 2014 liest Rahel Mann an jedem ersten Montag des Monats aus dem Buch "UNS KRIEGT IHR NICHT" von Tina Hüttl. Dabei ist es ihr wichtig, nach dem Lesungsteil immer wieder auf die individuellen Fragen der Anwesenden einzugehen.

Rahel Mann hat als Kind versteckt in Berlin überlebt: bei wechselnden Familien und zuletzt in einem Kellerraum in Schöneberg, versorgt von einer Hauswartsfrau. Im Zentrum steht die Frage, wie sie diese Erfahrungen verarbeitet hat und heute als Medizinerin, Psychotherapeutin und Lyrikerin mit ihnen umgeht.

 

Die nächsten Termine für die Lesung:

3. Juli 2017

7. August 2017

4. September 2017

2. Oktober 2017

6. November 2017

4. Dezember 2017

 

 

Bilder von der Lesung mit dem Ehepaar Michalski

am 3. August 2015: