Rahmenprogramm IV

Mittwoch 14. November 2017

19:00 Uhr, Goldener Saal

 

Beziehung als Heilmittel?

Die Bedeutung von Therapie und Familie für Shoah-Überlebende

Vortrag von Miriam Victory Spiegel (Zürich)

Moderation: Dr. Simone Ladwig-Winters

 

 

Die meisten Menschen, die als Kinder, Jugendliche oder junge Erwachsene die Shoah überlebten und  mindestens körperlich einigermaßen unversehrt waren, haben nach der Verfolgungszeit Familien gegründet und ein neues Leben begonnen − mehrheitlich in einer neuen Heimat und in einer neuen Sprache. In der Nachkriegszeit waren diagnostische Begriffe wie „posttraumatische Belastungsstörung“ noch nicht formuliert, Traumaforschung als Praxisfeld gab es noch nicht. Auch wenn zu einem späteren Zeitpunkt entsprechend ausgebildete Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen in den neuen Heimatländern vorhanden gewesen wären, ist es nicht ersichtlich, ob die Überlebenden sie in Anspruch genommen hätten. Von daher sind viele der Auswirkungen der belastenden Kriegserfahrungen im psychotherapeutischen Sinne unaufgearbeitet geblieben. Therapeutische Erfahrungen mit den Kindern der Überlebenden deuten darauf hin, wie sich dieses Phänomen von Generation zu Generation auf die familiären Beziehungen sowie auf die Gesellschaft ausgewirkt hat.

Dieser Problematik wird Miriam Victory Spiegel in ihrem Vortrag nachgehen. Sie ist Paar- und Familientherapeutin mit langjähriger Praxis in Zürich und war 1998 Gründungsmitglied und bis 2014 Co-Leiterin des Tamach (psychosoziale Beratungsstelle für Holocaust-Überlebende und ihre Angehörigen in der Schweiz).  Ihre jüdische Eltern und älteren Brüder sind „rechtzeitig“ (1938) aus Deutschland entkommen und 1941 in der neuen Heimat New York angekommen, wo Miriam Victory Spiegel am Tag vor der deutschen Kapitulation im Mai 1945 zur Welt kam.

 

 

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Lesung und Gespräch

mit der Zeitzeugin

Rahel R. Mann (Jg. 1937)

 

Mo., 6. November 2017

17:30 Uhr in der Ausstellung

 

 

Foto H. Jerabek 2017

 

 

Seit März 2014 liest Rahel Mann an jedem ersten Montag des Monats aus dem Buch "UNS KRIEGT IHR NICHT" von Tina Hüttl. Dabei ist es ihr wichtig, nach dem Lesungsteil immer wieder auf die individuellen Fragen der Anwesenden einzugehen.

Rahel Mann hat als Kind versteckt in Berlin überlebt: bei wechselnden Familien und zuletzt in einem Kellerraum in Schöneberg, versorgt von einer Hauswartsfrau. Im Zentrum steht die Frage, wie sie diese Erfahrungen verarbeitet hat und heute als Medizinerin, Psychotherapeutin und Lyrikerin mit ihnen umgeht.

 

Der nächste Termin für die Lesung:

4. Dezember 2017