LESUNG:

 

Donnerstag, 4.10.2018, 18:00 Uhr

 

Ausstellungshalle, Rathaus Schöneberg

 

Lesung aus dem Roman „Mischpoke“ von Marcia Zuckermann (Frankfurter Verlagsanstalt 2016), Tania Alon singt jiddische Lieder

 

Unsere neue Veranstaltungsreihe in der Ausstellungshalle setzen wir am 4. Oktober 2018 mit einer Lesung fort. In ihrem Buch „Mischpoke“ erzählt Marcia Zuckermann frei aus ihrer widerständigen Familiengeschichte. Egal ob gegen den Kaiser, gegen den Militarismus, der zum Ersten Weltkrieg führte, gegen den Faschismus oder gegen den „real existierenden Sozialismus“ der DDR, immer waren sie in der Opposition. Das Buch schildert die Familiensaga der jüdischen Familie Kohanim während der letzten 150 Jahre deutscher Geschichte. Sie beginnt im Dorf Osche in Westpreußen und führt ins proletarische Berlin. In der Familie verband sich ein jüdischer mit einem revolutionären nichtjüdischen Teil und sie hielt auch später im Widerstand in Berlin immer zusammen. Die Rahmengeschichte verweist auf das Erbe des notorischen Widerspruchsgeistes dieser Familie und führt bis zur Nachfolgegeneration der Schoa-Überlebenden. Das alles schildert Marcia Zuckermann unsentimental ganz in jüdischer Erzähltradition, die Witz mit Dramatik  und Tragik spannend vereint, ganz in der kühnen Geisteshaltung der Familie: „Wir lachen dem Tod ins Gesicht!“ Das Buch wird zur Zeit als Mehrteiler fürs Fernsehen verfilmt.

Marcia Zuckermann, geb. 1947, wuchs als Tochter einer Familie aus traditionell oppositionellem deutsch-jüdischen Milieu auf.  Der Vater hat als politischer Gefangener die Haft von 1933 bis 1945 im KZ-Buchenwald überlebt, die nichtjüdische revolutionäre Mutter war unentdeckt im aktiven Berliner Widerstand. 1958 musste die Familie als kommunistische Dissidenten von Ost- nach West-Berlin fliehen. In West-Berlin arbeitete sie als Werbewirtin im Verlagswesen, später als Texterin. 1978 begann sie als freie Autorin/Journalistin für TV, Funk und Presse zu arbeiten. Ihr Debüt als Schriftstellerin hatte sie 1999 mit dem Buch „Das vereinigte Paradies“, einem Wenderoman.

Die Sängerin Tania Alon ist ebenfalls ein Kind von Shoa-Überlebenden, stammt aus Hannover, lebt seit Jahrzehnten in Berlin und hat es sich zur Aufgabe gemacht, alte jiddische Frauen- und Widerstandslieder wiederzuentdecken und neu zu bearbeiten.

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Rahmenprogramm

Donnerstag, 25.10. 2018

19:00 Uhr

Rathaus Schöneberg

Goldener Saal

 

Renate Schottelius:
Die große Tänzerin und
Tanzpädagogin

 

Als Kind begann Renate Schottelius (1921−1998) ihre tänzerische Ausbildung

 

an der Städtischen Oper Berlin, an der auch Mary Wigman unterrichtete. Ihre Eltern, der Vater war Schriftsteller und Archäologe, die Mutter Pianistin, unterstützten sie auf ihrem Weg. Nachdem die Nazis an die Macht gelangt waren, musste sie erleben, dass sie als „Halbjüdin“ in ihrer Schulklasse ausgegrenzt wurde. Mit nur 14 Jahren verließ sie 1936 Berlin und ging zu ihrem Onkel nach Argentinien. Ihre Eltern konnten drei Jahre später noch nach Kolumbien ins Exil gehen, wo der Vater starb. Renate Schottelius musste derweil als Sekretärin für ihren Lebensunterhalt sorgen und konnte sich erst Anfang der 1940er Jahre hauptberuflich dem Tanz zuwenden, zeitweilig als Solotänzerin. Bei Aufenthalten in den USA arbeitete sie u. a. mit Martha Graham zusammen. Nach sechs Jahren in Boston lebte sie mehrere Jahre in Schweden, bis sie wieder dauerhaft nach Buenos Aires zurückkehrte und bis zu ihrem Lebensende als Tanzpädagogin und Beraterin am Teatro San Martin wirkte.

 

In der neuen Hörstation sind Ausschnitte eines Interviews mit Renate Schottelius aus dem Jahre 1992 zu hören. Hier berichtet sie davon, wie sie als junges Mädchen die Trennung von ihren Eltern erlebte und was es für ihre künstlerische Entwicklung bedeutete, nicht kontinuierlich ausgebildet worden zu sein. Sie beschäftigt sich auch mit der Frage, wie sie zur Religion steht und wo sie hingehört. Voller Überzeugung und Emphase erklärt sie, dass sie Argentinierin geworden ist – ein Land, in dem sie auch schwierige Zeiten zu durchstehen hatte.

 

 

 

Programm

Begrüßung

Grußwort der Bezirksbürgermeisterin von Tempelhof-Schöneberg, Angelika Schöttler

Grußwort des argentinischen Botschafters, S.E. Edgardo Mario Malaroda

Einführung in die Biografie von Renate Schottelius und Präsentation der neuen Hörstation anhand von Tonbeispielen, Dr. Simone Ladwig-Winters

Ein filmisches Kurzporträt von Renate Schottelius, Alexandra von der Heyde

Renate, meine Lehrerin und Freundin, Erinnerungen von Daniel Goldin, Choreograf
und Dozent, Buenos Aires

 

 

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Lesung und Gespräch

mit der Zeitzeugin

Rahel R. Mann (Jg. 1937)

 

Mo., 1. Oktober 2018

17:30 Uhr 

in der Ausstellung

 

 

Foto H. Jerabek 2017

 

 

Seit März 2014 liest Rahel Mann an jedem ersten Montag des Monats aus dem Buch "UNS KRIEGT IHR NICHT" von Tina Hüttl. Dabei ist es ihr wichtig, nach dem Lesungsteil immer wieder auf die individuellen Fragen der Anwesenden einzugehen.

Rahel Mann hat als Kind versteckt in Berlin überlebt: bei wechselnden Familien und zuletzt in einem Kellerraum in Schöneberg, versorgt von einer Hauswartsfrau. Im Zentrum steht die Frage, wie sie diese Erfahrungen verarbeitet hat und heute als Medizinerin, Psychotherapeutin und Lyrikerin mit ihnen umgeht.

 

Der nächste Termin für die Lesung:

5. November 2018

3. Dezember 2018