Skandinavien

 

 

Bergh, Ilja

1927 - 2015

 

Bregenzer Str. 9

 

Musiker, Pianist, Komponist

 

Der Vater war Musiker, die Mutter Tänzerin (bei Mary Wigman), die Wohnung Treffpunkt vieler Künstler (insbesondere nach dem Auftrittsverbot 1933). Als Kind Emigration (1934)  über die Sowjetunion nach Dänemark, später Pianist und Komponist (Neue Musik).

 

Lebte in Kopenhagen, München und Berlin.

 

Verstorben am 5.9.2015 in Kopenhagen

 

Berliner, Gert

(geb.1924)

 

Winterfeldstr. 25

 

Maler und Fotograf

 

Kam 1939 mit einem Kindertransport nach Schweden und lebt heute in den USA.

Deportation der Eltern Paul und Lotte Berliner 1943 nach Auschwitz.

 

Nach dem Krieg häufige Besuche in Berlin.

Haberland, Familie

Haberlandstr. 7 (heute: Nr. 3, zwischenzeitlich: Nördlinger Str. 3)

 

Stadtplaner, Architekt

 

Salomon Haberland (1836-1914), Teilinhaber der Berlinischen Bodengesellschaft (BBG), Planer und Erbauer des Bayerischen Viertels, des Viktoria-Luise-Platzes u. a., später zusammen mit seinem Sohn Georg (1857-1933). Dieser baute als Architekt u. a. auch den U-Bahnhof Rüdesheimer Platz, die Kaufhäuser Tietz, Hermann Tietz, Karstadt und das Verlagshaus Ullstein. In der NS-Zeit wurde der Straßenname Haberland aus dem Stadtbild gelöscht und die Enkel wurden verfolgt: Dr. Kurt H. (1896- 1942) im KZ Mauthausen ermordet; Dr. Werner H. (1899-1970)  als Homosexueller denunziert und untergetaucht, stiftete nach dem Krieg eine Jugendherberge zur deutsch- israelischen Jugendbegegnung in Überlingen/Bodensee; Enkelin Dr. Edith (1902-1994) und Ehemann Otto Friedrich Hermanns (bis 1933 Staatsanwalt am Schöneberger Kammergericht, gest. 1971) konnten mit den Kindern und Urenkeln Salomon Haberlands, Renate und Ralph, nach Schweden emigrieren.

 

Die von den NS-Behörden in Nördlinger Straße umbenannte Haberlandstraße wurde erst 1996 wieder zurück benannt. Bei der Zeremonie waren auf Einladung des Bezirks die Urenkel Ralph Herrmanns und Renate Gynnerstedt (geb. Herrmanns) aus Schweden anwesend. Ebenso die Fotografin Gisèle Freund, die in der Haberlandstr. 7 im selben Haus wie die Enkel Kurt und Werner Haberland gewohnt hatte.

 

Seit Sept. 2014 ist das Café über dem U-Bahnhof Bayerischer Platz, zugleich „Zeithistorisches Portal“, nach der Gründerfamilie Haberland benannt.

 

Jacoby, Hellmut Erich

(1903 - 1978)

 

Wartburgstr. 19

 

Rechtsanwalt

 

Syndikus der Eisenbahner-Gewerkschaft, 1933 Emigration nach Dänemark. Flucht durch viele Länder, ab 1940 auf den Philippinen (Asien). Lebte später in den USA, dann im Auftrag der UNO in Italien tätig, nimmt die schwedische Staatsbürgerschaft an.

 

Mit seiner Frau, einer Dänin, hatte er eine Tochter, die später Botschafterin Schwedens in Deutschland und Italien wurde.

Laserstein, Lotte

(1898-1993)

 

Stierstr. 19

 

Malerin

 

Studium an der Friedrich-Wilhems-Universität und der Akademischen Hochschule für die bildenden Künste. Bedeutende Vertreterin der gegenständlichen Malerei der „Neuen Sachlichkeit“ in den 1920er Jahren. Ging 1937 ins Exil nach Schweden, hier wirtschaftliches Überleben durch Betätigung als Porträtistin und Landschaftsmalerin. Erst im Alter Anerkennung als freie Künstlerin. In Deutschland wiederentdeckt in den 1990er Jahren durch den Verein „Verborgenes Museum“ mit großer Einzelausstellung 2003 im Berlin Museum/Ephraim Palais. 2010 Ankauf ihres Schlüsselwerks „Nacht über Potsdam“ (1930) durch die Neue Nationalgalerie.

 

Straßenbennung (2007): Lotte-Laserstein-Straße in Schöneberg

Stolperstein (2010): Immenweg 7 in Steglitz für die Mutter Meta Laserstein, geb. Birnbaum

 

Sachs, Nelly (Leonie)

(1891 - 1970)

 

Maaßenstr. 15 (heute: Nr. 12)

 

Schriftstellerin, Lyrikerin

 

Erhält 1966 den Nobelpreis für Literatur, veröffentlicht u. a. „Sternverdunklung“ (Amsterdam 1949). Freundin der schwedischen Autorin Selma Lagerlöf. Geht 1940 mit der Mutter nach Schweden ins Exil, ihr Bräutigam wird in Deutschland verfolgt und ermordet.

 

Gedenktafeln: Maaßenstr. 12 und Lessingstr. 5, Hansa-Schule

 

Tucholsky, Kurt

(1890 – 1935)

 

Kaiserallee 79 (heute: Bundesallee)

 

Schriftsteller, Autor

 

Studium der Rechtswissenschaften an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin, in Genf und in Jena. 1915 juristische Promotion, anschließend Teilnahme am Ersten Weltkrieg. Ab 1918 überzeugter Pazifist. Schrieb seit 1907 satirische Gedichte, Chansons, Glossen sowie Theater- und Buchrezensionen in zahlreichen Zeitungen und Zeitschriften, teilweise unter Pseudonym, wie Theobald Tiger oder Peter Panter. In den 1920er Jahren (zeitweilig) Mitglied der USPD, der „Gruppe Revolutionäre Pazifisten“ sowie der „Deutschen Liga für Menschenrechte“. Ab 1926 Mitarbeiter (teilweise auch Herausgeber) der Wochenschrift „Die Weltbühne“; verschiedene seiner Artikel brachten ihm – und Carl von Ossietzky – juristische Verfahren ein. 1930 verlagerte er seinen Wohnsitz weitgehend nach Hindås in Schweden. Am 21.12.1935 starb Tucholsky in einem Göteborger Krankenhaus.