Überlebende/r  / überlebt

 

 

Angress, Werner T.

(1920 - 2010)

 

Rosenheimer Str. 31

 

Historiker, Wissenschaftler

 

 

Emigration 1937 nach Großbritannien, von dort 1938 in die Niederlande und 1939 in die USA.1941-1945 in der US-Army („Ritchie Boys“). Danach Studium und Lehrtätigkeit als Professor für europäische und deutsche Geschichte in den USA, zeitweilig mit Ruth Klüger verheiratet. 1988 Rückkehr nach Berlin (West).

 

 

Alexander, Meta

(1924-1999)

 

Haberlandstr. 12 und 10*, Bayerischer Platz 4

 

St. Franziskus Oberlyzeum (heute: Katholische Schule St. Franziskus)

FU Berlin (Gründungsgeneration)

 

Ärztin

 

Katholisch getauft und erzogen. Lebte mit ihren Eltern zeitweise im gleichen Haus* wie Hans Globke (1938 Mitverfasser Nürnberger Rassengesetze, 1953-1963 Staatssekretär unter Adenauer). Ihr jüdischer Vater und sie überlebten versteckt mit Hilfe der christlichen Großeltern. Nach der Ausbildung zur Ärztin Chefärztin und Professorin am Klinikum Westend, bildete sie viele Ärztinnen und Ärzte aus.

Baeck, Leo

(1873-1956)

 

Am Park 15 (heute Fritz-Elsas-Str. 15)

 

Rabbiner, Religionsphilosoph, Theologe

 

Seit 1912 Rabbiner der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, im Ersten Weltkrieg Feldrabbiner (“Feldgebetbuch“). Ab 1933 ermöglichte er als Präsident der Reichsvertretung der Deutschen Juden (ab 1938 Reichsvereinigung der Juden in Deutschland) vielen Juden die Auswanderung. Er wurde 1943 nach Theresienstadt deportiert und überlebte. Emigration nach London, Großbritannien. Nach 1948 besuchte er Deutschland mehrfach.


Gründung der Leo Beck Institute in London, New York und Jerusalem

 

Stolperstein 2012:

Dr. Leo Baeck, Fritz-Elsas-Str. 15, Berlin-Schöneberg

 

 

 

Baer, Karl M. (vormals: Martha Baer)

 

(1885 - 1956)

 

Kleiststr. 111

 

Frauenrechtlerin, Direktor der Berliner Logen, Zionist

 

Als Mädchen erzogen, erhielt er in Hamburg eine Ausbildung zur Volkspflegerin.

Als Delegierte der Logen kämpfte er in Osteuropa gegen den Mädchenhandel.

Nach dem Wechsel seiner Geschlechtsidentität 1906 musste er sich beruflich neu behaupten.

Er veröffentlichte 1907 unter dem Pseudonym „N.0. Body“ seine Erfahrungen der geschlechterrollenbedingten Benachteiligung in „Aus eines Mannes Mädchenjahren“ (Neuauflage 1993).

Direktor der Berliner Logen 1920 - 1938.

Einwanderung nach Palästina 1938 mit seiner zweiten Frau Elza.

Ball, Fritz & Ball-Kaduri, Kurt Jacob

 

(1893 - 1968)     (1891 - 1976)

 

Viktoria-Luise-Platz 1 (Anwaltskanzlei)

 

Rechtsanwälte

 

 

1933 Verhaftung der beiden Brüder in ihrer Kanzlei (detaillierte Beschreibung  des Verhörs im “wilden KZ“ Papestraße), für beide 1933 Entzug der Rechtsanwaltszulassung, Hinwendung zum Zionismus (Kurt). 1938 Deportation ins KZ Sachsenhausen, Freilassung und Emigration in die USA (Fritz) bzw. nach Palästina (Kurt),

Mitinitiator der Gedenkstätte Yad Vashem.

 

Basch, Hildegard

(1915 - 2007)

 

Lutherstr. 51

 

Übersetzerin

 

Ging 1939 allein ins Exil nach Großbritannien.

Erzählt erst 1994 ihrer Tochter, der Künstlerin Barbara Loftus, von der Ausplünderung, Verschleppung und Ermordung ihrer Familie durch die Nazis. Inspiriert diese zu sehr ausdrucksstarken Gemälden und Zeichnungen, die 2013/14 auch in Berlin gezeigt werden

Berent, Margarete

(1887 - 1965)  

 

Goltzstr. 34 (Anwaltskanzlei)

 

Rechtsanwältin

 

1925 als erste Rechtsanwältin in Preußen zugelassen. 1914 Promotion; ihre Dissertation diente 1958 als Grundlage für die Umgestaltung des ehelichen Güter- und Erbrechts.

Bis 1933 Rechtsberatungssendungen beim Radiosender Königs Wusterhausen.

1939 Exil über Chile nach New York, USA. Erneutes Studium, danach als Juristin tätig.

 

Gedenktafel (2002) vom Deutschen Juristinnenbund und Bet Debora, Goltzstr. 34

 

 

Bergh, Ilja

1927 - 2015

 

Bregenzer Str. 9

 

Musiker, Pianist, Komponist

 

Der Vater war Musiker, die Mutter Tänzerin (bei Mary Wigman), die Wohnung Treffpunkt vieler Künstler (insbesondere nach dem Auftrittsverbot 1933). Als Kind Emigration (1934)  über die Sowjetunion nach Dänemark, später Pianist und Komponist (Neue Musik).

 

Lebte in Kopenhagen, München und Berlin.

 

Verstorben am 5.9.2015 in Kopenhagen

 

Berliner, Gert

(geb.1924)

 

Winterfeldstr. 25

 

Maler und Fotograf

 

Kam 1939 mit einem Kindertransport nach Schweden und lebt heute in den USA.

Deportation der Eltern Paul und Lotte Berliner 1943 nach Auschwitz.

 

Nach dem Krieg häufige Besuche in Berlin.

Bernauer, Rolf & Bernell, Agnes (geb. Bernauer)

(1880 - 1953)            (1923 - 1999)

 

Viktoria-Luise Platz 1, Innsbrucker Str. 56

 

Luise-Zickel-Schule (jüdische Privatschule)

 

Vater ist Theaterregisseur, Autor, Kabaretttexter, u. a. am Theater am Nollendorfplatz. Zusammenarbeit u. a. mit Max Reinhardt, Marlene Dietrich. 1933 staatenlos, emigrieren sie mit ungarischen Pässen im Herbst 1936 nach Großbritannien. Tochter Agnes wird später Theaterschauspielerin und Sängerin.1945 Hochzeit mit dem Churchill-Neffen Desmond Leslie.

Blumenthal-Weiss, Ilse

(1899 - 1987)

 

Bamberger Str. 40

 

Lyrikerin

 

Briefwechsel u. a. mit Rainer Maria Rilke. 1937 Emigration in die Niederlande, von dort aus Internierung in Westerbork 1943 und Deportation 1944 nach Theresienstadt. Überlebt mit der Tochter (s. Mirjam Merzbacher) und wandert mit ihr 1947 in die USA aus. In ihrem Gedichtsband „Ohnesarg“ von 1984 verarbeitet sie ihre Erfahrungen im Zusammenhang mit dem Holocaust.

Bock, Werner

(geb. 1921)

 

Rosenheimer Str. 21

 

Werner-Siemens-Realgymnasium (heute: Georg-von-Giesche Oberschule)

Luise-Zickel-Schule (jüdische Privatschule)

 

Ingenieur

 

Die Eltern Leonhard und Else (geb. Neustadt) führten das Schuhhaus Neustadt (des Schwiegervaters) in der Münchener/Ecke Grunewaldstraße. Werner Bock konnte durch Kindertransport Deutschland 1939 verlassen und kam nach Manchester/Großbritannien. Nach einjähriger Internierung als „enemy alien“ lebte er dort bis zu seiner Auswanderung 1951 zusammen mit Frau und Sohn nach Kanada. Deportation der Eltern Else und Leonhard Bock 1943 nach Auschwitz.

Werner Bock lebt heute in Kanada.

Bohne, Werner

(1920 - 1998)

 

Stübbenstr. 4, Stubenrauchstr. 3

 

14. Gemeindeschule (heute: Löcknitz-Grundschule)

Treitschke-Gymnasium

 

Ausbildung zum Kaufmann

 

Erhielt durch bekannte Familie Affidavit für USA. Euphorischer Reisebericht Ende 1938, gleichzeitig die immer verzweifelter werdenden Briefe der ausreisewilligen Eltern. Vermögenserklärung der Eltern kurz vor ihrer Deportation nach Riga.

 

Werner Bohne wird später ein engagierter Zeitzeuge.

Comedian Harmonists: Collin, Cycowski, Frommermann

Stubenrauchstr. 47

 

Musiker, Vokalensemble (a capella)

 

1928 gründete Hans Frommermann (später Harry Frohman) das Gesangssextett

in seine Wohnung in Friedenau.

Auftrittsverbote der Musiker ab 1933, Trennung der Gruppe 1935.

Die jüdischen Mitglieder Harry Frohman, Erich Abraham Collin und Roman Cycowski gründeten 1935 in Wien eine neue Gruppe, die weltweit erfolgreich war.

1941 Auflösung der Gruppe

 

Gedenktafel Haus Stubenrauchstr. 47, Berlin-Friedenau

Deutschkron, Inge

(geb. 1922 )

 

Innsbrucker Str. 58, Bamberger Str. 22 (sog. „Judenwohnung“, letzte Wohnung vor dem Untertauchen)

 

Autorin, Publizistin

 

Nach erzwungenem Schulabbruch und Zwangsarbeit, ab 1942 Anstellung in der Blindenwerkstatt Otto Weidt. Mit Mutter ab 1943 untergetaucht. Nach dem Krieg in London, ab 1955 Journalistin u. a. in Bonn, Korrespondentin für Maariv/Israel.  Ab 1972 in Tel Aviv. Ihr Buch „Ich trug den gelben Stern“ (1978) wurde als Jugendtheaterstück „Ab heute heißt Du Sara“ 1989 am Grips-Theater in Berlin und später in vielen Städten und Sprachen gespielt. Seit 2001 endgültige Rückkehr nach Berlin. Als engagierte Zeitzeugin Arbeit mit Kindern und Jugendlichen und in der politischen Öffentlichkeit (Gedenkrede aus Anlass des internationalen Holocaustgedenktages 2013 im Deutschen Bundestag). Initiatorin des Museums „Blindenwerkstatt Otto Weidt“ und des Gedenkorts „Stille Helden“ in Berlin-Mitte.

Einstein, Albert

(1879 - 1955)

 

Haberlandstr. 5 (heute: Nr. 8, zwischenzeitlich: Nördlinger Str. 8)

 

Physiker, Wissenschaftler

 

Verbrachte Kindheit und Jugend in Ulm, München, Mailand und Zürich, zahlreiche Wechsel und Abbrüche der Schulausbildung. Berühmt geworden mit seiner Relativitätstheorie (1905). Seit 1913 Mitglied der „Preußischen Akademie der Wissenschaften“, Berlin. Erhielt 1922 den Nobelpreis für Physik. Bei Machtantritt Hitlers auf Auslandsreise, emigrierte er 1933 als Jude und bekennender Pazifist sofort in die USA, kehrte nie wieder nach Deutschland zurück.

 

Gedenkstein und Gedenkstele (2013), Haberlandstr. 8

Eisfelder, Horst

(geb. 1925)

 

Kufsteiner Str. 3,  Freisinger Str. 4

 

Lehre als Fotograf, später Versicherungswesen

 

Emigration mit den Eltern nach Shanghai. Wie seine Eltern berufliche Integration in Shanghai und Offenheit für die neue Umgebung und den Erwerb der schweren Landessprache. Eisfelder dokumentiert diese Lebenswelt mit eindrucksvollen und historisch interessanten Fotos. Beginn lebenslanger Freundschaften mit anderen Exilanten (z. B. mit Schulfreund H. M. Blumenthal, später amerikanischer Finanzminister, bis 2014 Direktor des Jüdischen Museums in Berlin). 1947 Auswanderung der Familie nach Australien, wo er heute lebt.

 

Autobiographie mit Fotos: „Exil in China. Meine Jahre in Shanghai und Nanking“ (2009).

Freudenfels, Familie

Hilbertstr.1

Handel

Henriette Freudenfels, geb. Silbermann (1883-Jan.1938), Richard Freudenfels (1879-1941), Textilwarenhandel in Marienfelde u. Lichtenrade. Soldat im Ersten  Weltkrieg, bekam “Eisernes Kreuz” verliehen, Mitglied der Herder-Loge.

Tochter Charlotte (geb. 1910), Emigration 1933 nach Palästina, 1954 in die USA. Sohn Herbert (1913-1976), Emigration 1934 nach Palästina, 1954 in die USA.

Heirat Richard Freudenfels mit Dorothea Silbermann (1882-1941), Schwester v. Henriette, im Okt.1938; vergebliche Bemühungen, die Einreisebedingungen versch. Exilländer zu erfüllen. 27.11.1941 Deportation nach Riga, wo sie am 30.11.41 ermordet wurden.

 

Stolperstein: Hilbertstr.1-2, Berlin-Lichtenrade

Fromm, Erich

(1900 - 1980)

 

Bayerischer Platz 1 (Praxis), Salzburger Str. (Wohnung)

 

Sozialpsychologe, Psychotherapeut, Wissenschaftler

 

Aufgewachsen in einer streng gläubigen Familie. Studium der Soziologie in Heidelberg. Ende der 1920er Jahre Ausbildung zum Psychoanalytiker am Berliner Psychoanalytischen Institut. Ab 1930 Leiter der Abteilung Sozialpsychologie am Frankfurter Institut für Sozialforschung. Nach der Brandmarkung der Psychoanalyse als „jüdische Wissenschaft“ ging Fromm 1933 in die Emigration, erst in die Schweiz, 1934 dann in die USA, wo er u. a. an der Columbia University in New York tätig war. 1950 zog er nach Mexiko und 1973 in die Schweiz. Veröffentliche zahlreiche, teils sehr populäre Bücher, u. a. „Die Kunst des Liebens“ (1956).

Galliner, Moritz & Galliner, Peter

Lutherstr. 21 (heute: Martin-Luther-Str.)

 

Moritz Galliner, Rechtsanwalt und Notar (1874 - 1942)

 

Peter Galliner, Journalist (1920 - 2006)

 

Moritz Galliner war auch Vorstandsmitglied der Jüdischen Reformgemeinde zu Berlin; während des Pogroms 1938 wird seine Kanzlei geplündert. Sohn Peter geht nach Großbritannien in die Emigration, wird später als “enemy alien“ auf der Isle of Man interniert, seine Schwester Anne emigriert in die USA. Die Eltern Moritz und Hedwig begehen Suizid.

 

Zu seinem Lebensende Rückkehr Peter Galliners nach Berlin.

 

Stolpersteine für Moritz und Hedwig Galliner: Martin-Luther-Str. 12

Heymann-Loebenstein, Margarete (geb. Heymann)

(1899 - 1990)

 

Thüringer Ring 3

 

Keramikerin, Künstlerin

 

Stand als Keramikerin und Designerin der Manufaktur „Haël“ in Velten vor. Sie war früh verwitwet, hatte zwei Söhne. 1934 wurde ihr Betrieb von Heinrich Schild in Verbindung mit Hedwig Bollhagen „arisiert“. 1933 kurzzeitig Flucht nach Dänemark, später Emigration nach Großbritannien, hieß nach erneuter Heirat Marcks.

Hilsley, William (vormals: William Joseph Hildesheimer)

(1911 - 2004)

 

Bamberger Str. 39

 

Musiker

 

Pianist, britischer Staatsangehöriger, geht 1935 als Musiklehrer an eine Quäkerschule in die Niederlande. 1940-45 Zivilinternierter in diversen Lagern, dort als „Musical Director“ zahlreiche Aufführungen.

 

Nach dem Krieg Rückkehr nach England, 1947 wieder in den Niederlanden.

House, Marion (geb. Sauerbrunn)

(geb. 1923)

 

Bayerischer Platz 13-14

 

Rückert-Schule (heute: Rückert-Gymnasium), Goldschmidtschule (jüdische Privatschule)

 

Der Vater war Kriegsteilnehmer im Ersten Weltkrieg und Teilhaber einer Firma mit Sitz an der Berliner Börse. Die Mutter (geb. Mandelbaum) kam als junges Mädchen aus Chrzanow/Polen nach Deutschland. Marion kam im Mai 1939 mit einem Kindertransport nach Großbritannien, ihre Eltern überlebten das KZ Theresienstadt. Nach dem Zweiten Weltkrieg Arbeit für die amerikanische Militärregierung in München, um ihre Eltern wiederzutreffen, die in Bayern in einem Displaced Persons Lager (DP) lebten. Nach etwa einem Jahr gingen sie gemeinsam in die USA. Lebt heute in New York und besucht als Zeitzeugin häufig ihre alte Schule.

Jacoby, Hellmut Erich

(1903 - 1978)

 

Wartburgstr. 19

 

Rechtsanwalt

 

Syndikus der Eisenbahner-Gewerkschaft, 1933 Emigration nach Dänemark. Flucht durch viele Länder, ab 1940 auf den Philippinen (Asien). Lebte später in den USA, dann im Auftrag der UNO in Italien tätig, nimmt die schwedische Staatsbürgerschaft an.

 

Mit seiner Frau, einer Dänin, hatte er eine Tochter, die später Botschafterin Schwedens in Deutschland und Italien wurde.

Johnson, Hans (vormals: Jottkowitz)

(geb. 1918)

 

Barbarossastr. 45

 

14. Gemeindeschule (heute: Löcknitz-Grundschule)

Hohenzollern-Gymnasium

 

Vater Georg war selbständiger Handelsvertreter und Kompagnon seines Schwiegervaters in der Firma Luis Wachsner & Co. Hans verließ 1933 das Hohenzollern-Gymnasium, da keine Aussicht auf ein Studium bestand. Lehre zum Textilfärber in Oberschöneweide; Permit für Neuseeland, Emigration am 5.11.1938. Er nahm den Namen Hans P. Johnson an und arbeitete in Neuseeland als Textilfärber.

Joseph, Otto

(geb. 1920)

 

Burggrafenstr. 18

 

Werner-Siemens-Realgymnasium (heute: Georg-von-Giesche Oberschule)

 

Mutter hatte Kunstgeschichte an der Berliner Universität studiert; Vater war Chefarzt der Kinderabteilung im Weddinger Krankenhaus und besaß daneben eine eigene Praxis.

Die Familie lebte nicht koscher, besuchte die Synagoge nur an den hohen Feiertagen.

Emigration am 1.9.1933 nach Florenz, später über Paris nach Brasilien und schließlich in die USA. Begann 1941 in Brasilien die Ausbildung zum Kaufmann bei einem Zweigbetrieb der deutschen Böhler AG. Arbeitete in den USA als Prokurist in einer Stahlfabrik, gründete eine eigene Firma für Stahlmetalle.

Kann, Antonie

(1916 - 2011)

 

Neue Ansbacher Str. 6 (heute: Ansbacher Str. 65)

 

Technische Assistentin, Kinderkrankenschwester

 

Lebte in Berlin-Tiergarten. Ihr Vater konnte dort als Rechtsanwalt auch nach 1933 arbeiten, da er Frontsoldat im Ersten Weltkrieg war. Emigrierte 1939 allein nach Großbritannien, kannte die spätere Schöneberger Adresse der Eltern nur aus deren Briefen. Wegen der bevorstehenden Deportation begingen ihre Eltern 1942 Suizid. Nur um das elterliche Grab in Berlin-Weißensee zu besuchen, kam sie 1992 nach Berlin.

Lewinsohn, Erich

(geb. 1924)

 

Motzstr. 1

 

Werner-Siemens-Realgymnasium (heute: Georg-von-Giesche Oberschule)

 

Fotomechaniker, Handwerker

 

Brach schon 1934 die Schule ab, wegen Schikanen des Lehrers. 1938 ins Exil nach Belgien, lebte dort mit den Eltern und dem Bruder illegal. 1940 mit dem Bruder nach Großbritannien. Die Eltern wurden in Auschwitz ermordet. Es existiert ein letzter Brief der Eltern, den sie vor der Deportation schrieben.

 

Aktiver Zeitzeuge (Interview 1994)

Mamlock, Familie

Apostel-Paulus-Str. 13 und 14, Münchener Str. 18

 

Modebranche

 

Der Großonkel Arnold Mamlock (1878-1946) und Recha (1878-1965) überleben in Amsterdam, sie hatten zuvor ein Geschäft: Seidenband en gros. Deren Sohn Karl-Heinz (1911-1945) baut im Exil in Amsterdam/Niederlanden ein neues Geschäft auf, wird 1944 verraten. Deportation und Tod im KZ  Mauthausen. Tante Ruth (1915-2002) und Onkel Erwin (1908-1991) überleben in Palermo/ Italien. Die Großeltern Albert (1889-1964) und Clara (1893-1976) und der Vater Kurt (1924-2001) überleben versteckt in Berlin.

Album und Stammbaum erstellt von Michael Mamlock (geb.1951).

Mosse, Georg

(1918 - 1999)

 

Maaßenstr. 28

 

Historiker, Wissenschaftler

 

Sohn des Verlegers Hans Lachmann-Mosse. 1933 Enteignung und Flucht der sehr wohlhabenden assimilierten Familie in die Schweiz. Weitere Emigrationsländer: Frankreich, Großbritannien, schließlich 1939 USA, wo er sich als Historiker mit den Themen Masse, Nationalsozialismus und Sexualität auseinandersetzte; zahlreiche Publikationen.

 

„Das Exil hat mich mit Energie erfüllt und herausgefordert wie nichts zuvor.“

 

Newton, Helmut (vormals: Neustaedter)

(1920 - 2004)

 

Innsbrucker Str. 24

 

Fotograf, Künstler

 

Ausbildung bei der angesehenen Fotografin Yva. 1938 Emigration nach Singapur (Asien).

Internierung 1941 als “enemy alien“ bei Melbourne, Australien, später australischer Staatsbürger. Seit den 1970er Jahren einer der weltweit begehrtesten Mode-, Porträt- und Werbefotografen. 2003 Gründung der Helmut-Newton-Stiftung und Ausbau der Jebensstr. 2 in Berlin zum Museum für Fotografie. Dauerleihgabe von über 1000 Werken an die Stadt Berlin.

 

Grab auf dem Friedhof an der Stubenrauchstraße neben Marlene Dietrich.

 

Gedenktafel: Innsbrucker Str. 24

Paisley, Peter H. (vormals: Herbert Peiser)

(geb. 1921)

 

Hohenstaufenstr. 56

 

12. Volksschule (heute: Scharmützelsee-Grundschule),

 

Werner-Siemens-Realgymnasium  (heute: Georg-von-Giesche Oberschule)

 

 

Übersetzer

 

 

Wird von den Eltern 1935 in eine Schule nach Belgien geschickt. Setzt sich unter dem Namen Leon Piron in die Fremdenlegion nach Frankreich ab, wird in Gurs interniert, kann als Belgier nach England fliehen. Wird unter dem Namen Peter Paisley Soldat in der britischen Armee. Seine Eltern überleben 1940 zunächst in Palästina, dann in Südafrika. In den 1990er Jahren kommt Peter Paisley als Zeitzeuge in seine frühere Schule und trifft auf alte Schulfreunde.

Pinkus, Theo

(1909 - 1991)

 

Belziger Str. 48 (zur Untermiete)

 

Buchhändler, Praktiker des Emanzipations- und Selbstverwaltungsgedankens, Publizist

 

Seine Eltern wandern 1908, wegen des aufkommenden Antisemitismus an der Breslauer Universität, in die Schweiz aus. Theo P. zieht 1927 als Schweizer Staatsbürger nach Berlin,  macht eine Lehre beim Rowohlt Verlag und tritt dem Kommunistischen Jugendverband (KJVD) in Schöneberg bei. Ab 1930 bei Münzberg im Vertrieb der AIZ (Arbeiter Illustrierte Zeitung). Im April 1933, als Kommunist, Jude und Ausländer bedroht, kehrt er in die Schweiz zurück. Heirat mit Amalie de Sassi und Aufbau des Buchladens mit Antiquariat und der Studienbibliothek zur Geschichte der Arbeiterbewegung in Zürich. Nach dem Krieg häufig als aktiver Zeitzeuge sowie Gründungsmitglied und Berater der Berliner Geschichtswerkstatt und des Aktiven Museums in West-Berlin.

 

Seine Stiftung Studienbibliothek/ Archiv in Zürich ist eine gefragte Anlaufstelle zu den Themen Arbeiterbewegung und neue soziale Bewegungen.

 

Pinner, Ernst

(1889 - 1947)

 

Paetschstr. 28

 

Rechtsanwalt und Notar

 

1920 Heirat, zweite Ehe 1936, zwei Söhne, eine Tochter. Umfangreiche Korrespondenz mit seiner seit 1933 in Palästina lebenden Schwester, 1939 Emigration der Familie nach Palästina. In einer landwirtschaftlichen Genossenschaftssiedlung (Kibbuz) findet die Familie eine neue Lebensgrundlage.

Proskauer, Erna (geb. Aronsohn)

(1903 - 2001)

 

Kaiserallee 26 (heute: Bundesallee)

 

Juristin

 

1920 zieht Erna Aronsohn mit ihrer Familie aus Bromberg nach Berlin. Abitur 1922, Jura-Studium, Richterin (Assessorin); heiratet 1930 den Rechtsanwalt Max Proskauer. 1933 aus dem Dienst entlassen, Emigration über Frankreich nach Palästina, wo sie eine Wäscherei betreibt.

 

1953 Rückkehr nach Berlin. Niederlassung als Anwältin (später auch Notarin), übernimmt 1968 nach dem Tod ihres (geschiedenen) Mannes dessen Praxis.

Sachs, Nelly (Leonie)

(1891 - 1970)

 

Maaßenstr. 15 (heute: Nr. 12)

 

Schriftstellerin, Lyrikerin

 

Erhält 1966 den Nobelpreis für Literatur, veröffentlicht u. a. „Sternverdunklung“ (Amsterdam 1949). Freundin der schwedischen Autorin Selma Lagerlöf. Geht 1940 mit der Mutter nach Schweden ins Exil, ihr Bräutigam wird in Deutschland verfolgt und ermordet.

 

Gedenktafeln: Maaßenstr. 12 und Lessingstr. 5, Hansa-Schule

 

Scheftelowitz, Elchanan (vormals: Erwin)

(1911 - 2000)

 

Kleiststr. 5

 

Jurist, Rabbiner

 

1934 bis 1937 amtierender Rabbiner der Synagoge Münchener Straße. 1937 Emigration nach Palästina, bis 1982 in Haifa tätig als Rechtsanwalt und Notar, u. a. auch In Entschädigungs- und Wiedergutmachungsfällen. Traute in Israel mehrere ehemalige Mitglieder seiner Berliner Synagogengemeinde.

Sello, Ruth

(1911 - 1999)

 

Münchener Str. 37

 

Buchhalterin, Finanzwesen

 

War außer ihrer Tätigkeit als Buchhalterin auch als Korrespondentin und Sprachlehrerin tätig. Exil 1933 in die Türkei; sie war eine der wenigen, die wegen der rassistischen Verfolgung und nicht aus politischen Gründen in die Türkei ging. 1943 Verbannung ans Schwarze Meer, kurz darauf Auswanderung nach Palästina. 1967 Rückkehr nach Berlin.

Silberberg, Werner (heute: Warner Bergh)

(geb. 1923)

 

Babelsberg Str. 1

 

Werner-Siemens-Realgymnasium  (heute: Georg-von-Giesche Oberschule)

Hohenzollern-Gymnasium

 

Spielte in einem jüdischen Fußballverein als Torwart. Konnte mit seinem Vater und seiner Stiefmutter nach Shanghai ins Exil gehen, nach Kriegsende Einwanderung in die USA. Heiratete eine deutsche Emigrantin, mit der er zwei Töchter hat, war beruflich im Handel tätig.

Sommerfeldt, Shmuel (vormals: Sommerfeld, Herbert Samuel)

(geb. 1905)

 

Apostel-Paulus-Str. 28

 

Werner-Siemens-Realgymnasium (heute: Georg-von-Giesche Oberschule)

 

Einziger Überlebender seiner Familie. Emigrierte 1933 gegen den Willen der Eltern mit Alija nach Palästina. Brach die in den 1980er Jahren begonnen Briefkontakte zum Projekt 1991 ab, da sein „Glaube an ein besseres Deutschland“ durch deutsche Giftgaslieferungen im Golfkrieg  zerstört worden war. Durch Besuch in Israel wieder Kontaktaufnahme und 1999 erster und letzter Besuch mit 94 Jahren in Berlin.

Stern, Hellmut

(geb. 1928)

 

Grunewaldstr. 25, Laubacher Str. 16

 

Musiker

 

Erhielt 1937 als musikbegabtestes Kind der Schule eine Geige und Geigenunterricht, von da an kontinuierliche musikalische Weiterentwicklung.

1938 Emigration in die Mandschurei/China (Asien), 1949 nach Palästina, 1956 in die USA,

1961 Rückkehr nach Berlin, Aufnahme als erster Geiger bei den Berliner Philharmonikern unter Herbert v. Karajan.

 

Seit 1994 pensioniert und als Zeitzeuge aktiv.

Szonyi, Lilly (geb. Wolffers)

(geb. 1924)

 

Kufsteiner Str. 19

 

Psychotherapeutin

 

Die fünfköpfige Familie Wolffers hatte Schweizer Pässe, die Mutter war deutscher Herkunft. Die Familie zog 1927 von St. Gallen nach Berlin, 1936 nach Schöneberg. Sie konnte Verwandten, die sie wirtschaftlich unterstützt hatten, auch längere Zeit Schutz in ihrer sicheren Wohnung bieten. Ausreise nach Zürich vor Kriegsbeginn. Lilly und Ehemann gingen später über Kanada in die USA.

Wilder, Billy

(1906 - 2002)

 

Viktoria-Luise-Platz 11

 

Filmregisseur, Drehbuchautor

 

Aufgewachsen in Krakau und Wien, lebte seit 1926 in Berlin, Arbeit als Publizist und Drehbuchautor. 1934 Emigration in die USA, 1939 amerikanischer Staatsbürger, eine Tochter, ein Sohn. Schrieb bald auf Englisch Drehbücher, Regisseur bekannter Filme, wie „Manche mögen’s heiß“. Betätigte sich auch als Filmproduzent, mehrfacher Oscarpreisträger; Zusammenarbeit u. a. mit Alfred Hitchcock, Ernst Lubitsch, Marilyn Monroe, Jack Lemmon.

 

Gedenktafel (1993) Viktoria-Luise-platz 11

Winters, Steffi (geb. Steinberg)

1924 - 2016

 

Bamberger Str. 28

 

Luise-Zickel-Schule

 

Die dreiköpfige Familie entschloss sich 1938 zur Emigration nach Italien. 1940 wurde der Vater, Arthur Steinberg, aus Turin ausgewiesen. Mutter und Tochter wurden in ein Dorf in den Abbruzzen abgeschoben, 1940 Tod des Vaters. Mutter und Tochter fliehen 1943 nach Bari in ein Flüchtlingslager. 1944 Emigration in die USA, Heirat, zwei Söhne.

Zuckmayer, Carl

(1896 - 1977)

 

Fritz-Elsas-Str.18 (vormals: Am Park 18)

 

Dramatiker, Theaterautor

 

Studium der Rechtswissenschaften, Promotion. Kriegsfreiwilliger im Ersten Weltkrieg. Autor sehr erfolgreicher Dramen, u. a. „Der fröhliche Weinberg“ (1925) und „Der Hauptmann von Köpenick“ (1931). Aufführungsverbot 1933, zieht sich daraufhin nach Österreich zurück. 1938 Exil über die Schweiz in die USA. Nachkriegserfolg: „Des Teufels General“ (1946). Geht 1957 in die Schweiz und wird 1966 Schweizer Staatsbürger.

 

Großer Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland (1955)

 

Gedenktafel: Fritz-Elsas-Str. 18